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Kermesbeere – Essbar oder giftig?

Manche Pflanzen verbinden viele widersprüchliche Eigenschaften miteinander. Zu diesen Exemplaren gehört die Kermesbeere. Sie ist eine Wildpflanze, die für unterschiedliche Zwecke eingesetzt wird. Neben ihrer Schönheit, wird sie auch in der Medizin und zum Verzehr genutzt

 
Kermesbeeren am Baum

Kermesbeere ist eine der ersten Pflanzen, die im Frühling sprießen. Aus diesem Grund wird sie traditionell gegessen, um Menschen durch den frühen Frühling zu bringen. Doch bei der Verarbeitung der Pflanze ist Vorsicht geboten: Was es bei Kermesbeeren zu beachten gibt und wann sie essbar oder giftig sind, gibt es nachfolgend zu lesen.

Was sind Kermesbeeren und sind sie essbar oder giftig?

Kermesbeere ist eine allgegenwärtige Pflanze, die in Gebieten wie Feldern, entlang von Zäunen, in feuchten Wäldern vorkommt und die bis zu 4 Meter hoch werden kann. Kermesbeere ist im Osten Nordamerikas beheimatet und in Europa, Westindien und Asien weit verbreitet. Der rötliche Stiel hat große spitze Blätter und die Blüten sind zahlreich, in kleinen und grünlich-weißen Trauben, die sich zu Büscheln saftiger, lila-schwarzer Beeren entwickeln, die von Juli bis September reifen.

Die Beeren, oder genauer gesagt die Samen in den Beeren, gelten als giftig, selbst wenn sie gekocht werden. Würde man die Samen sorgfältig entfernen, könnten theoretisch die Beeren gekocht und gegessen werden. Da die Samen jedoch klein, schwer zu entfernen und hochgiftig sind, ist es sicherer, die Beeren nicht zu essen. 

Warnhinweis: Die Kermesbeere ist eine sehr giftige Pflanze. Alle Teile dieser Pflanze enthalten Oxalsäure, Lektine sowie andere Toxine und sind giftig, wenn sie roh verzehrt werden. Die Wurzel ist der giftigste Teil der Pflanze und hat psychoaktive Eigenschaften. Niemals sollten die unterirdischen Teile der Pflanze konsumiert werden, da diese, mit den Samen, die höchsten Konzentrationen der Gifte enthalten.

Ferner sollte keine Pflanze, die größer als 20 Zentimeter ist oder wenn Rot in der Pflanze erscheint, gegessen werden. Kinder und Erwachsene wurden durch den Verzehr von Beeren und Blättern vergiftet. Kermesbeere sollte nicht auf offenen Schnitten oder Wunden aufgetragen werden. Die Pflanze enthält Mitogene, die das Immunsystem stimulieren und Krebs verursachen können.

 

Verwendung der Kermesbeere

Kermesbeerenblätter und -wurzeln wurden in der Volksmedizin zur Behandlung von chronischem Rheuma und Arthritis sowie als Brechmittel und Abführmittel verwendet. Die Pflanze wurde auch zur Behandlung von Ödemen, Hautkrebs, Katarrh, Dysmenorrhoe, Mumps, Ringwurm, Krätze, Mandelentzündung und Syphilis genutzt.

Der Saft der Beeren wurde als Tinte, Farbstoff und Farbstoff in Wein verwendet. Heutzutage werden die jungen unreifen Blätter kommerziell in Dosen abgefüllt und verkauft. Das Saatgut der Kermesbeere kann man auf diversen Online Shops wie Amazon kaufen.

In Dosen von 1 g ist getrocknete Kermesbeere Wurzel emetisch und abführend. Bei niedrigeren Dosen von 60 bis 100 mg / Tag wurden Wurzel und Beeren zur Behandlung von Rheuma und zur Immunstimulation verwendet. Es gibt jedoch keine klinischen Studien, die diese Anwendungen oder Dosen unterstützen. Nichtsdestotrotz wird die Verwendung der Kermesbeere auf zahlreiche medizinische Beschwerden angewandt.

Hilfe bei verschiedenen Beschwerden und der Einfluss auf das Ökosystem

Kermesbeere halb unreif

Kermesbeere wurde auch verwendet, um verschiedene Krankheiten zu lindern, die für Frauen spezifisch sind. Endometriose sowie prämenstruelle Brustschmerzen können behandelt werden. Öl, das aus Wurzeln der Kermesbeere infundiert ist, kann zur Massage gebraucht werden.

Alternativ können niedrig dosierte Tinkturen helfen. Interstitielle Blasenentzündung ist eine weitere entzündliche Erkrankung, die mit derselben Tinktur behandelt werden kann. Auch Hämorrhoiden-Schmerzen lassen sich mit einem Extrakt aus den Wurzeln lindern.

Homöopathische Mittel aus der Kermesbeere werden von vielen Müttern verwendet, um Entzündungen im Brustbereich sowie bei Schwierigkeiten mit dem Abstillen zu helfen. Bei Kleinkindern werden diese Mittel aus der Kermesbeere eingesetzt, um Hals- und Zahnschmerzen zu lindern. Die Anwendung wird in Form von Kügelchen, Tropfen oder Tabletten angeboten.

Neben all diesen Funktionen unterstützen Kermesbeeren auch das Ökosystem. Beispielsweise lieben verschiedene Vogelarten und Bienen die Pflanze. Beide sind nicht von den Giftstoffen betroffen. Kermesbeeren eignen sich daher gut, um bestäubende Insekten in Gärten zu locken.

Zubereitung der Kermesbeeren

Die Kermesbeere kennt viele Zubereitungsarten. Als eine charakteristische Pflanze Amerikas, spielt sie eine wichtige Rolle in den Kulturen und Küchen der amerikanischen Ureinwohner sowie den Südstaaten. Eine Methode, um Kermesbeeren zu essen besteht darin, sie zu kochen: Die jungen Blätter und neueren Stängel sind gekocht essbar.

Reife Pflanzen - über 20 cm groß oder mit tiefroten Stielen - enthalten hohe Konzentrationen an Toxinen und sollten dreimal gekocht oder vermieden werden. Ernten lassen sich die Sacktriebe, doch zu meiden sind die zarten Spitzen und Blätter mit violetter Färbung. Dabei gilt es zu beachten, nicht viel vom Spross zu nehmen, besonders nicht in der Nähe der Wurzel, weil da hohe Konzentrationen an Toxinen vorliegen.

Nach der Ernte sind die Blätter zu waschen und etwas 20 Minuten lang zu kochen. Das alte Wasser abseihen, das Wasser vom ersten Kochen wegwerfen und erneut 10 Minuten kochen lassen. Anschließend wieder abtropfen lassen und zum erneuten Kochen in das dritte Wasser schütten.

In dieser Phase können Gewürze wie Salz oder Knoblauch hinzugefügt werden. Zu beachten gilt es, dass auch nach wiederholtem Kochen die Kermesbeere sehr stark und bitter schmeckt. Viele braten die Pflanze mit Speck und Kartoffeln an, essen sie pur oder gemischt mit anderem Gemüse. Die jungen Stängel können wie Spargel gekocht werden, zumal ihr Geschmack dem Spargel ähnelt. Die Stängel können auch einfach mit Butter, Maismehl, Salz und Pfeffer angebraten werden.

Tee aus Kermesbeere

Wie bereits erwähnt, sind alle Teile der Kermesbeere giftig und nicht essbar, mit Ausnahme der oberirdischen Blätter, die im Frühjahr sprießen. Die Giftdichte kann stark schwanken, je nach Alter der Blätter. Generell gilt, dass die asiatische Kermesbeere weniger giftig ist als die amerikanische Sorte.

Möchte man selbst einen Tee aus Kermesbeeren herstellen, sollten zunächst die Blätter der Pflanze getrocknet werden. Danach ein Teelöffel getrockneter Blätter mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen. Tee aus Kermesbeere soll helfen, rheumatische Beschwerden und diverse Hautkrankheiten zu lindern. Möchte man die Blätter nicht selbst trocknen, kann man auch Tee aus Kermesbeere in Apotheken und Online Shops kaufen.

Joachim Grün
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