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Meristemvermehrung

Meristemvermehrung als Methode zur Vermehrung von Pflanzen. Der Garten ist für viele Menschen mehr als nur ein Ort der Erholung. Sie werden zu wahren Hobbygärtnern, sobald die ersten Sonnenstrahlen zu sehen sind. Während einige Hobbygärtner auf den Kauf von kleinen Pflanzen setzen und diese dann über die Jahre pflegen, legen andere Hobbygärtner wert auf selbst gezogene Pflanzen.

 
Orchidee

Selbst gezogene pflanzen wachsen, laut deren Aussage, mehr ans Herz als gekaufte Pflanzen. Zudem ist eine gewisse Unabhängigkeit gewährleistet. Ein Gartencenter ist nur dann notwendig, wenn Erde oder Zusatzstoffe geholt werden müssen. Jeder Hobbygärtner kann gezielt Pflanzen vermehren. Dazu werden verschiedene Methoden angeboten.

Meristemvermehrung: Grundsätzliche Anleitung

Zu einer der Methoden gehört die Meristemvermehrung. Diese Art der Vermehrung ist noch recht jung und noch nicht weit verbreitet. Sie wird auch unter den Begriffen Gewebekultur oder In-Vitro-Kultur bezeichnet. Bekannt ist die Vermehrung bei Orchideen, Rhododendron, Flieder und bei vielen Staudensorten.

Dabei wird ein Teil des Gewebes einer Pflanze genommen und unter bestimmten Bedingungen eine neue Pflanze produziert. Dazu ist ein Labor notwendig, welches aus den kleinen Zellhaufen unter sterilien Bedingungen eine neue Pflanze zieht.

  1. Der kleine Zellhaufen wird auf ein Nährsubstrat gesetzt.
  2. Mit Hilfe von Wachstumshormonen wird der Zellhaufen zur Teilung angeregt.
  3. Zudem soll die Produktion von Wurzeln angeregt werden.
  4. Mit viel Pflege und Aufwand entsteht mit der Zeit eine kleine neue Pflanze.
  5. Die Pflanze wächst bis zu einem gewissen Grad.
  6. Ab einer gewissen Größe kann die Pflanze eingepflanzt werden.

Diese Methode ist recht kostenintensiv und aufwendig. Allerdings hat sie auch den Vorteil, dass sie sehr rentabel ist. Gerade für Pflanzunternehmen ist diese Methode ein Muss, denn binnen kurzer Zeit kann eine große Menge an neuen Pflanzen auf den Markt gebracht werden. Zudem sind die gezüchteten Jungpflanzen frei von Nematoden, Viren und anderen Krankheitserregern.

Ausgangsmaterial zur Meristemvermehrung

Das Meristem ist das Ausgangsmaterial für die Meristemvermehrung. Das Meristem ist das Bildungsgewebe von Pflanzen. In welche Art das Gewebe sich entwickelt ist undifferenziert. Es kann sich nicht nur zu Früchten oder Blättern entwickeln, auch zu Wurzeln ist theortisch möglich. In der Regen wird das Ausgangsmaterial allerdings zu Wurzeln.

Das ist genau das Gewebe, das für die Entstehung von neuen Pflanzen gebraucht wird. Die Stammzellen der Pflanze befinden sich in den Sprossspitzen oder den Wurzelspitzen. Somit reicht nur ein kleiner Teil der Mutterpflanze vollkommen aus, um eine neue Pflanze entstehen zu lassen. Die kleinen Zellen sind meist nur unter dem Mikroskop sichtbar.

Richtige Bedingungen

Auch wenn der Zellhaufen, der aus den Sprossspitzen gewonnen wird, das Grundmaterial für eine neue Pflanze ist, müssen noch andere Bedingungen geschaffen werden. Schon während der Entnahme des Zellhaufens müssen sterile Bedingungen vorhanden sein.

Dadurch haben Bakterien und Viren keine Chance. Neben einem sterilen Labor müssen auch Anzuchtgefäße vorhanden sein, die vorab sterilisiert wurden. Außerdem müssen die Anzuchtgefäße gut verschließbar sein. Petrischalen mit Deckel haben sich bislang immer bewährt und sind dafür ideal. Außerdem werden einige höhere Gläser benötigt, die im späteren Verlauf zum Einsatz kommen. Eine Werkbank und eine spezielle Atmosphäre müssen dann vorhanden sein.

Desinfektion

Für eine optimale Meristemvermehrung muss ein steriles Umfeld geschaffen werden. Neben einem Labor sind sterile Werkbänke, Gefäße und Hilfsmittel notwendig. Diese Sachen sind notwendig, aber nicht ausreichend.

Die Zellen der Meristem können in einigen Fällen Keime beinhalten. Es ist unwichtig, ob die Keime an der Mutterpflanze waren oder während der Gewinnung entstanden sind. Sie dürfen auf keinen Fall auf die neue Pflanze übertragen werden.

RhododendronNachdem der Zellhaufen (Meristem) von der Mutterpflanze entnommen wurde, muss er desinfiziert werden. Dadurch werden eventuell vorhandene Pilzsporen und Bakterien abgetötet. In der Regel werden zur Desinfektion drei Mittel eingesetzt:

  • Natriumhypochlorit
  • Quecksilber-II-Chlorid
  • Wasserstoffperoxid

Wasserstoffperoxid und Natriumhypochlorit können in der Apotheke erstanden werden. Quecksilber-II-Chlorid ist im privaten Bereich nicht verlaubt. Bei den anderen beiden Substanzen muss genau auf die Konzentration geachtet werden.

Natriumhypochlorit

Natriumhypochlorit ist auch unter dem Namen Chlorbleichlauge bekannt und wird eigentlich als Reinigungsmittel eingesetzt. Das Mittel ist extrem aggressiv und sollte bei der Meristemvermehrung nicht unverdünnt zum Einsatz kommen.

Die Konzentraktion sollte zwischen 5 und 25% liegen. Dann braucht die Substanz eine Einwirkzeit von 5 bis 30 Minuten. Nach dem Einsatz sollten die Zellen mehrfach mit sterilem Wasser abgespült werden.

Wasserstoffperoxid

Einige Quellen schlagen Wasserstoffperoxid zum Reinigen von Pflanzen vor. Dabei wird das Mittel nicht unverdünnt verwendet. In Apotheken wird es mit als eine 3%ige Wasserstofflösung angeboten. Für die Verwendung an Pflanzen sollte 29,85ml Wasser mit 1,5mm Wasserstoffperoxid gemischt werden.

Nährstoffe bei der Meristemvermehrung

Damit die Zellen mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden, bietet sich eine Mischung aus Geliermittel und Saccharose an. Diese Basis kann überall im Fachhandel erstanden werden. Agar, wie die Mischung genannt wird, wird mit Wasser vermischt.

Eine Mischung von einem Liter Wasser und 20 bis 30g Agar ist für die Pflanzen ideal. Für die optimale Nährstoffmenge müssen Sie auf die Pflanze achten, die Sie mit der Meristemvermehrung vermehren wollen.

Makronährstoffe

Makronährstoffe sind bei der Meristemvermehrung sehr wichtig. Die Konzentration der Stoffe ist artenabhängig. In der Regel wird zwischen 0,95g und 1,9g genommen, die mit einem Liter gemischt werden. Zu den Makronährstoffen gehören:

  • Stickstoff
  • Schwefel
  • Calcium
  • Phosphor
  • Kalium
  • Magnesium

Zudem gehören:

  • Bor
  • Eisen
  • Kupfer
  • Mangan
  • Molybdän
  • Zink

zu den Mikronährstoffen. Sie sind für die Entwicklung der Pflanzen wichtig. Durch ein Fehlen oder ein Vorkommen in zu geringer Dosierung kann es bei der Pflanze zu Mangelerscheinungen kommen. Für eine optimale Dosierung bieten sich spezielle Düngemittel an, die für die Pflanze genutzt werden können.

Auspflanzen

Wenn Sie alle Anforderungen erfüllt haben und mit der Meristemvermehrung beginnen, erkennen Sie schon nach kurzer Zeit die ersten Erfolge. Die jungen Pflanzen beginnen zu wachsen und werden größer. Ab einer Höhe von etwa 5cm sind sie bereit, in Substrat gepflanzt zu werden. Dann sind die kräftig und gesund. Jetzt kann die Pflanze kultiviert werden.

Daniela Lamberti
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